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Optimismus?!

„Optimismus ist nur ein Mangel an Information!“ So hat es der Schriftsteller Heiner Müller einmal formuliert. Und tatsächlich ist es ja so, dass man zur Zeit wenig Grund zum Optimismus hat, wenn man sich die Lage der Welt anschaut. Andererseits heißt es in der Bibel so schön „Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden“ (Römer 5,5). Das würde ja bedeuten: Hoffnung geht nicht ins Leere. Unsere Hoffnung wird uns nicht enttäuschen. Hoffnung lässt uns nicht beschämt im Regen stehen. Und wäre dann angesichts der düsteren Lage nicht gerade Hoffnung umso wichtiger? Nicht nur für die eigene psychische Gesundheit, sondern auch als Kraft, um nicht zu resignieren, sondern weiter für das Gute, Schöne und Wahre in der Welt zu kämpfen?
Am 9. April jährte sich zum 80. Mal der Todestag eines Mannes, der genau das getan hat: Dietrich Bonhoeffer. Kurz vor Kriegsende wurde er auf Befehl Hitlers im KZ Flossenbürg ermordet. Was bewegt einen Mann wie Bonhoeffer, seinen Weg bis in den Tod zu gehen? Warum setzt er sich gegen die Diskriminierung von Minderheiten wie den Juden ein? Warum erkennt er frühzeitig im Nationalsozialismus die Maske des Bösen und warnt schon zwei Tage nachdem Hitler Reichkanzler geworden ist, per Radioansprache vor der Gefahr, dass jeder Führer auch ein Verführer sein kann? Warum sieht Bonhoeffer später keine andere Option mehr, als dem Rad in die Speichen zu fallen? Das heißt, er unterstützt die Attentatspläne auf Hitler. Wo nimmt er den Mut dazu her? Warum hält er auch im Gefängnis an seiner Hoffnung auf eine bessere Zukunft fest?
Hören wir, was er zum Thema Hoffnung und Optimismus zu sagen hat: „Optimismus ist in seinem Wesen keine Ansicht über die gegenwärtige Situation, sondern er ist eine Lebenskraft, eine Kraft der Hoffnung, wo andere resignierten, eine Kraft, den Kopf hochzuhalten, wenn alles fehlzuschlagen scheint, eine Kraft, Rückschläge zu ertragen, eine Kraft, die die Zukunft niemals dem Gegner läßt, sondern sie für sich in Anspruch nimmt.
Es gibt gewiß auch einen dummen, feigen Optimismus, der verpönt werden muß. Aber den Optimismus als Willen zur Zukunft soll niemand verächtlich machen, auch wenn er hundertmal irrt. Er ist die Gesundheit des Lebens, die der Kranke nicht anstecken soll.
Es gibt Menschen, die es für unernst, Christen, die es für unfromm halten, auf eine bessere irdische Zukunft zu hoffen und sich auf sie vorzubereiten. Sie glauben an das Chaos, die Unordnung, die Katastrophe als den Sinn des gegenwärtigen Geschehens und entziehen sich in Resignation oder frommer Weltflucht der Verantwortung für das Weiterleben für den neuen Aufbau, für die kommenden Geschlechter.
Mag sein, dass der Jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.“ (Widerstand und Ergebung, Dietrich Bonhoeffer Werke Band 8, Seite 36)
Und weil Bonhoeffer weiß, dass er diese Hoffnung nicht aus sich selbst produzieren kann, betet er:  „Heiliger Geist, gib mir die Hoffnung, die mich befreit von Furcht und Verzagtheit.“ (Widerstand und Ergebung, Dietrich Bonhoeffer Werke Band 8, Seite 205f)
Ein Gebet, in das wir auch im Jahr 2025 noch aus vollem Herzen einstimmen dürfen!
Carsten Friedrich, Vikar